
Methode
Was in einer Breathwork-Session tatsächlich passiert
Keine Überraschungen. Hier steht der komplette Ablauf — inklusive der Dinge, die sich ungewohnt anfühlen können.
Conscious Connected Breathing
Die Methode stammt aus dem Rebirthing und heißt übersetzt „bewusstes verbundenes Atmen“. Sie besteht aus einer einzigen Technik:
Du atmest durch den geöffneten Mund ein und aus. Die Einatmung geht aktiv und tief in den Bauch, die Ausatmung lässt du einfach geschehen, ohne zu drücken. Zwischen Ein- und Ausatmung machst du keine Pause — deshalb „verbunden“.
Das klingt simpel, und das ist es auch. Anstrengend wird es durch die Dauer: etwa 45 Minuten am Stück.
Was dabei im Körper passiert
Kein Geheimnis und keine Esoterik — eine Kette, die sich Schritt für Schritt nachlesen lässt. Sie erklärt jede Empfindung, die weiter unten steht.
01
Du atmest mehr, als der Körper gerade verbraucht
Beim verbundenen Atmen bewegst du deutlich mehr Luft als im Ruhezustand. Sauerstoff nimmst du dadurch kaum mehr auf — der ist ohnehin fast vollständig gesättigt. Was sich ändert, ist das Kohlendioxid: Du atmest mehr davon ab, als der Stoffwechsel nachliefert. Der CO₂-Gehalt im Blut sinkt.
02
Der pH-Wert im Blut steigt
Kohlendioxid ist im Blut sauer. Fällt es ab, wird das Blut kurzzeitig basischer. Der Fachbegriff dafür ist respiratorische Alkalose. Das ist keine Störung, sondern die normale Folge davon, wie du gerade atmest — und sie hält nur so lange an, wie du so atmest.
03
Weniger freies Calcium — und die Nerven werden empfindlicher
Bei höherem pH-Wert bindet mehr Calcium an Eiweiße im Blut. Die Gesamtmenge bleibt gleich, aber der frei verfügbare Anteil sinkt. Und freies Calcium ist genau das, was die Reizschwelle der Nerven hochhält. Sinkt es, feuern Nerven leichter: Das ist das Kribbeln in Händen, Füßen und um den Mund — und das ist auch die Pfötchenstellung, wenn sich die Hände von selbst zusammenziehen.
04
Die Hirngefäße werden enger
Kohlendioxid ist der stärkste Regler der Hirndurchblutung. Weniger CO₂ heißt engere Gefäße und weniger Blutfluss im Gehirn. Daher der Schwindel, das Leichte im Kopf, die veränderte Wahrnehmung von Zeit und Raum, die viele in der Atemrunde beschreiben.
Alles davon bildet sich zurück, sobald du wieder normal atmest. Nicht nach Stunden, sondern innerhalb von ein bis zwei Minuten. Deshalb ist „langsamer atmen“ auch die vollständige Gegenmaßnahme, wenn dir etwas zu viel wird — und deshalb kann ich dir sagen, dass du jederzeit aufhören kannst.
Minute für Minute
0 – 15 Min
Ankommen und Vorgespräch
Wir setzen uns zusammen. Du erzählst, wie es dir geht und was dich hergeführt hat — so viel oder so wenig, wie du möchtest. Ich frage nach Vorerkrankungen, weil manche gegen die Methode sprechen. Danach legen wir deine Intention für die Session fest: ein Satz, ein Thema, eine Frage.
15 – 25 Min
Anleitung und Einstieg
Du legst dich hin, zugedeckt, so bequem wie möglich. Ich erkläre die Atemtechnik und wir üben sie gemeinsam ein, bis sie sitzt. Dann startet die Musik.
25 – 70 Min
Die Atemrunde
Du atmest, ich leite dich durch. Ich sage an, wenn du das Tempo ändern sollst, und gebe zwischendurch kleine Übungen dazu. Du musst nichts entscheiden und nichts leisten — nur weiteratmen.
70 – 85 Min
Nachruhe
Das Atmen hört auf, die Musik wird ruhiger, du bleibst liegen. Dieser Teil ist für viele der eindrücklichste. Nimm dir die Zeit, es gibt keinen Grund aufzustehen.
ab 85 Min
Abschluss
Wir sprechen darüber, was passiert ist — wenn du magst. Manche reden eine halbe Stunde, andere gar nicht. Beides ist in Ordnung.

Was sich ungewohnt anfühlen kann
Damit du nicht überrascht wirst.
Kribbeln in Händen, Füßen oder im Gesicht
Sehr häufig und harmlos. Es kommt von der veränderten Atmung und geht von selbst wieder weg.
Die Hände ziehen sich zusammen
Passiert vielen, sieht dramatischer aus, als es ist, und löst sich, sobald du langsamer atmest.
Emotionen, die ohne Anlass kommen
Weinen, Lachen, Zittern — alles kommt vor. Du musst es nicht erklären und nicht unterdrücken.
Gar nichts Spektakuläres
Auch das kommt vor, gerade beim ersten Mal. Es heißt nicht, dass du etwas falsch gemacht hast.
Die ersten beiden Punkte haben eine nüchterne Erklärung — sie steht oben unter Was dabei im Körper passiert. Und du kannst jederzeit aufhören: Wenn dir etwas zu viel wird, atmest du normal weiter, und ich bin die ganze Zeit dabei.
Warum viele von „Blockaden“ sprechen
In der Atemrunde kommen bei vielen Menschen Gefühle hoch, mit denen sie nicht gerechnet haben. Weinen ohne Anlass, Lachen, Zittern, alte Erinnerungen, die plötzlich sehr nah sind. Das passiert oft genug, dass es zum festen Bestandteil der Methode gehört — und es ist der Teil, von dem hinterher am meisten erzählt wird.
Beschrieben wird das meistens so: „Da hat sich etwas gelöst.“ In der Rebirthing-Tradition, aus der die Methode stammt, steht dahinter die Vorstellung, dass Gefühle sich im Körper festsetzen und durch das Atmen wieder in Bewegung kommen.
Ich benutze dieses Bild auch, weil es gut beschreibt, wie es sich anfühlt. Belegt ist es nicht. Warum beim verbundenen Atmen Emotionen hochkommen, ist wissenschaftlich nicht geklärt — diskutiert werden die veränderte Durchblutung im Gehirn, die Musik, und schlicht der Umstand, dass du 45 Minuten lang nichts anderes tust, als bei dir zu sein, ohne Ablenkung und ohne Aufgabe.
Für die Session macht das keinen Unterschied. Für das, was ich dir verspreche, schon.
Was die Forschung hergibt — und was nicht
Ich nenne dir lieber den Stand, als dir etwas zu versprechen. Drei Arbeiten, eine davon spricht gegen mich.
12 randomisierte Studien · 785 Erwachsene · Meta-Analyse 2023
Atemübungen senken Stress — messbar, aber in kleinem Maß
Die bisher umfassendste Auswertung fand über alle Studien hinweg einen signifikanten Effekt von Atemübungen auf selbst berichteten Stress gegenüber Kontrollgruppen (Hedges’ g = −0,35). Für Ängstlichkeit und depressive Symptome fielen die Werte ähnlich aus.
Die Effekte sind klein bis mittel, die meisten eingeschlossenen Studien haben ein moderates Verzerrungsrisiko, und signifikant war der Befund nur bei Menschen ohne klinische Diagnose. Getragen wird er überwiegend von langsamen Atemtechniken, nicht von der Art, die ich anleite.
Fincham et al., Scientific Reports 2023200 Erwachsene · verblindete Placebo-Studie · 3 Wochen täglich
Intensives Atmen war nicht besser als ruhiges Atmen
Die größte kontrollierte Studie zu schnellem Atmen mit Atempausen verglich genau diese Technik mit ruhigem, verbundenem Atmen bei 15 Atemzügen pro Minute. Nach drei Wochen ging es beiden Gruppen besser — zwischen ihnen gab es keinen Unterschied, weder beim Stress noch bei Angst, Stimmung, Wohlbefinden oder Schlaf.
Das ist der unbequeme Befund, und er gehört hierher: Die Intensität ist offenbar nicht der Wirkfaktor. Die Studie lief allerdings per Video mit jungen, gesunden Menschen, ohne Begleitung und ohne die Länge einer echten Session — sie bildet nicht ab, was in 90 Minuten mit Anleitung passiert.
Fincham et al., Scientific Reports 2024108 Teilnehmende · 4 Gruppen · 5 Minuten täglich, 28 Tage
Die Ausatmung scheint der wirksame Teil zu sein
Eine Stanford-Studie verglich drei Atemübungen mit Achtsamkeitsmeditation. Die atembasierten Übungen verbesserten die Stimmung stärker und senkten die Atemfrequenz deutlicher als Meditation — am klarsten die Variante, die die Ausatmung betont.
Fünf Minuten täglich über vier Wochen sind etwas anderes als eine lange Atemrunde. Und auf Herzfrequenz und Herzratenvariabilität hatte keine der Übungen einen messbaren Effekt.
Balban et al., Cell Reports Medicine 2023
Kurz gefasst: Dass Atmen die Stimmung und die körperliche Anspannung verändert, ist gut belegt. Dass ausgerechnet die intensive Variante mehr bringt als eine ruhige, ist es nicht.
Ich könnte dir an dieser Stelle mehr versprechen. Ich weiß aber, wie die Studienlage aussieht, und ich halte es für die schlechtere Grundlage für eine gemeinsame Session, wenn du mit falschen Erwartungen kommst. Was ich dir anbiete, ist eine Erfahrung — kein Ergebnis.
Was Breathwork nicht ist
Breathwork ist keine Therapie. Ich bin kein Arzt, kein Heilpraktiker und kein Psychotherapeut, und eine Session ersetzt keine Behandlung. Wenn du gerade in Therapie bist, sprich vorher mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten.
Es ist auch kein Wundermittel. Du wirst nach 90 Minuten nicht als anderer Mensch aufstehen. Was Breathwork sein kann: ein Werkzeug, das du regelmäßig nutzt, weil es dir guttut.
Häufige Fragen
Muss ich meditieren können?
Nein. Breathwork ist das Gegenteil von Stillsitzen: Du bist die ganze Zeit aktiv beschäftigt. Viele, denen Meditation nicht liegt, kommen deshalb besser damit zurecht.
Was ist, wenn ich nichts spüre?
Kommt vor, besonders beim ersten Mal. Der Körper braucht manchmal einen Durchgang, um sich darauf einzulassen. Es ist kein Versagen und kein Zeichen dafür, dass es bei dir nicht funktioniert.
Muss ich über meine Themen sprechen?
Nein. Du legst eine Intention für dich fest, aber du musst sie mir nicht sagen. Auch das Abschlussgespräch ist freiwillig.
Was ziehe ich an?
Bequeme Kleidung, in der du 90 Minuten liegen kannst. Socken sind sinnvoll, weil viele im Liegen kalte Füße bekommen. Matte, Decke und Kissen bringe ich mit. Draußen lieber eine Schicht mehr.
Kann ich vorher essen?
Kleinigkeiten ja, ein schweres Essen besser nicht. Zwei bis drei Stunden Abstand sind angenehmer.
Funktioniert das online genauso?
Ja. Du brauchst einen Platz, an dem du 90 Minuten ungestört liegen kannst, und Kopfhörer. Ich sehe und höre dich über Zoom und leite dich genauso an. Für einen Termin vor Ort spricht, dass ich unmittelbar dabei bin — für online spricht, dass du danach einfach liegen bleiben kannst, ohne nach Hause zu fahren.
Wie oft ist sinnvoll?
Es gibt keine Vorgabe. Ich selbst mache es einmal pro Woche. Manche kommen einmal und lassen es wirken, andere regelmäßig.
Warum kribbeln dabei die Hände?
Weil du mehr Kohlendioxid abatmest, als der Körper gerade produziert. Dadurch steigt kurzzeitig der pH-Wert im Blut, mehr Calcium bindet sich an Eiweiße, und der frei verfügbare Anteil sinkt. Freies Calcium hält die Reizschwelle der Nerven hoch — sinkt es, feuern die Nerven leichter. Das ist das Kribbeln, und das ist auch die Pfötchenstellung, wenn sich die Hände von selbst zusammenziehen. Beides bildet sich innerhalb von ein bis zwei Minuten zurück, sobald du wieder normal atmest.
Löst Breathwork wirklich Blockaden?
Viele Menschen erleben in der Atemrunde starke Gefühle — Weinen, Lachen, Zittern, plötzlich sehr nahe Erinnerungen. Beschrieben wird das meistens als „da hat sich etwas gelöst“. Dieses Bild stammt aus der Rebirthing-Tradition, aus der die Methode kommt, und es beschreibt gut, wie es sich anfühlt. Wissenschaftlich geklärt ist es nicht: Warum beim verbundenen Atmen Emotionen hochkommen, weiß niemand genau. Ich benutze das Bild, aber ich verkaufe es nicht als Tatsache.
Ist Breathwork wissenschaftlich belegt?
Teilweise. Eine Meta-Analyse von 2023 über 12 randomisierte Studien mit 785 Erwachsenen fand einen kleinen, aber signifikanten Effekt von Atemübungen auf selbst berichteten Stress. Für die intensive Variante, die ich anleite, sieht es dünner aus: In der bislang größten Placebo-Studie mit 200 Teilnehmenden war schnelles Atmen nicht wirksamer als ruhiges Atmen — beiden Gruppen ging es danach besser, aber gleich gut. Was ich anbiete, ist deshalb eine Erfahrung und kein Ergebnis.
Wenn das für dich passt
Schreib mir, was du dir davon erhoffst. Wenn ich denke, dass Breathwork gerade nicht das Richtige für dich ist, sage ich das auch.
Termin anfragenUnverbindlich. Es antwortet niemand aus einem Team, sondern Tom selbst.
